beat sterchi
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Genau so, wie es bei jenen Händen passiert, die sich einem zwar entgegenstrecken, die aber zaudern, herumschwimmen wie aufgebrachte Fische, Hände, die erst nach peinlichen Missverständnissen halbwegs zu fassen sind. Dann gibt es Hände, nach welchen man lieber erst gar nicht greifen würde. Sei es nun wegen einer bereits vorausgegangenen Bekanntschaft oder wegen dem leicht voraussehbaren Ekelgefühl, das sich einstellen wird beim ersten Kontakt der Haut der zusammengreifenden Finger.  Man möchte nicht zugreifen, möchte jeden, auch den handlichen Körperkontakt meiden, weil man den Besitzern die Schmach ersparen möchte, einen weiteren Mitwisser haben zu müssen. Man möchte lieber ahnungslos bleiben, über die Klümpchen, die Patschhändchen hinwegsehen, uneingeweiht, muss sie aber oft dennoch ergreifen und spüren wie schief die Sache steht, wie schlaf die Kraft. Dann gibt es Hände, die fühlen sich an wie ein Bund spröde, spitze Trockenwürste, andere wiederum kennt man längst und versucht sie immer wieder vergebens zu meiden, denn trocken sind sie nie, manchmal vielleicht warm, manchmal kalt, aber immer feucht, immer kommt nach dem meist nur flüchtigen Handschlag sofort das starke Verlangen nach Wasser und Seife auf. Oder es gibt die Offiziershände, die Charakterhände. Beim Gruss mit der Hand zeigt sich der wahre Mann. Hier wird zugepackt. Es gibt so viel zu tun, packen wir es an! Da drückt nicht einfach eine Hand zum Gruss, da greifen Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und der kleine Finger tätig um sich, greifen in die andere Hand, möglichst tief in ein anderes Leben hinein. Schliesslich gibt es jene Hände, die zwar strotzen vor Narben und kratzigen Schwielen, die sich erst kalt und rauh anfühlen, die das Zupacken tatsächlich gewohnt sind, die dem Ge¬genüber noch im Gruss Raum und Recht belassen, die nicht zu entwaffnen versuchen, die Kraft nicht demonstrieren, sondern haben. Das sind die Hände, zu welchen andere Hände gerne greifen.


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