beat sterchi

Narbonne, 10. Oktober 2014

 

Er war auch schon ein paar Schritte gegangen, aber wegen des Wagens  bedankte ich mich und sagte, ich hätte verstanden. fragte aber noch, ob ich auch hinfahren könnte, worauf die Dame am Tisch sehr elegant eine Rauchwolke ausstiess und sagte: No, c'est trop compliqué!  

Ich parkte also oben auf der Hauptstrasse, die quer durch die Stadt führt. Als ich einen Mann mit seiner kleinen Tochter in einem Ice-Crème-Café verschwinden sah, der sehr kurze Hosen und ein ärmelloses T-Shirt trug, erinnerte ich mich, dass ich mich, auch wenn die Nacht hereingebrochen und die Sonne längst verschwunden war, noch immer im Süden befand. Als ich weiterging durch die schmaler werdenden Gassen, erinnerte ich mich an meinen Versuch, den traurigen Zerfall solcher südfranzösischer Innenstädte zu beschreiben, der auch hier sehr schnell so manifest wurde, dass ich meine Kamera hervorholte und von einer notdürftig geflickten Haustür ein Bild machte.

Die Haustür war ein trauriges, kaputtes, missachtetes Überbleibsel eines einst stattlichen Hauses. Noch bevor ich zu der Kathedrale kam, begann es zu regnen.

Ausser einem vorbeisurrenden Pizzakurier schien ich in der Fussgängerzone allein zu sein. Irgendwo hörte ich auch einen Schrei. Als ich das mir bekannte Restaurant L'estagnol

gefunden hatte, schrieb ich, noch bevor ich mit Wein und Essen bestellte mit grossen Buchstaben in mein Notizbuch:

Wieder Abschied vom Süden.

Und gleich darunter:

Dass mir beim letzten Tanken in Spanien bei der Kasse die freundliche Dame gesagt hatte: "Gracias, que le vaya bien!" und dass ich mir dies nicht nur sehr gerne anhörte, dass ich es mir auch zu Herzen nehmen wollte. "Que le vaya bien!" Ich war überzeugt, dass mir die Dame beim Verlassen von Spanien einen guten Geist mitgegeben habe.

 

 


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