beat sterchi

Gadmen, 4. Februar 2008

Gadmen ist ein sehr kleines Dorf an der Sustenpassstrasse mit einem Schulhaus und einer winzigen Kirche. Die Kirche hat keinen Turm mit Uhr und Glocke, nur an der einen Seitenwand eine Sonnenuhr. Kein Pfarramt, um das man sich reisst. Die Pfarrerin fährt hier auch den Schneepflug. Der einzige Laden im Dorf wird von einer Montenegrinerin geführt. Stolz und mit sympathischem Akzent erzählt sie, dass sie seit 35 Jahren hier sei und seit 8 Jahren den Laden führe. Täglich bringt das Postauto frisches Brot und im Zeitungsgestell gibt es neben dem „Blick“ sogar einen Roman. Wir sind klein, aber bescheiden, sagt die Montenegrinerin. Manchmal seien sie auch eingeschneit. Vor ein paar Jahren, in dem schweren Lawinenwinter, sei sie einmal von ihrer Wohnung im ersten Stock heruntergekommen und habe nicht mehr aus dem Laden hinausgesehen. Über Nacht seien vier Meter Schnee gefallen. Am Ende des Dorfes steht das Hotel Alpenblick. Ein Sozialprojekt für Jugendliche, die keine Lehrstellen gefunden haben. Die Schneeräumung geht bis knapp hinter dieses Hotel, dann verschwindet die Sustenstasse - im Sommer eine sehr beliebte Oldtimer und Motorradstrecke - abrupt unter einer dicken Decke aus Schnee. Vor zwei Tagen seien abends spät zwei Japaner in der Gaststube des Hotels aufgetaucht, durch den Hintereingang. Von ihrem GPS im Stich gelassen, hätten sie nach dem Weg nach Mailand gefragt. Dies komme im Winter etwa zweimal im Monat vor, sagt die Bedienung im Hotel Alpenblick.

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