beat sterchi

Montreal 20. Oktober 1978



 Einer reisst die Arme hoch. Der Uhrzeiger stopt den wilden Tanz über das Zifferblatt. Er fährt noch eine Runde. Er hat keine Bremsen. Ein Teamhelfer empfängt ihn, fast ihn an den Schultern, bringt ihn mit einem Ruck zum Halten. Er lockert dem Sieger die Riemen, die seine Schuhe an die Pedale binden. Der schnelle Radfahrer geht zu Fuss. Er wirkt ungeschickt ohne Rad. Ohne Absätze an seinen Schuhen geht er als ob er nach hinten überfallen wollte. An seinen Schenkeln, Musklen wie Hüften einer Frau. Er zieht seinen Kopfschutz aus. Immer rund um geht es weiter. Schnelle Wechsel, kaum verfolgbare Sprints von unheimlicher Kraft, einer versucht den anderen zu sperren – Mannschaftsfahren! Einer stürzt, er poltert in der Kurve über die Holzpiste hinunter, steht gleich wieder auf und fährt weiter. Einmal ein Zischen. Einer verliert Luft. Schon springt ein Mechaniker herbei. In der letzten Kurve vor dem Zielstrich fallen die Entscheidungen und die weniger geübten Fahrer. Ein 20 Meter Vorsprung wird von dem Fahrer Tzak einfach zack zunichte gemacht. Dann werden von den helfenden Soldaten die Flaggen geräumt. Die Italienische, die Tschechische. Die Amerikanische. Die Kanadische und zwei von Québec. Ein Soldat der gerade eine Fahne hinaus aus dem Velodrom trägt, wird von jemandem angerufen, er dreht sich um, seine Fahne entrollt sich wieder. Jetzt steht er da mit dem Sternenbanner. Das Bild des Jahres.




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