Das Ende des Reisens:: Going to Neaples.
von Beat Sterchi – 16. März 2023
Neapel sehen und sterben – Neapel galt einmal als das Paradies dieser Welt. Aber im Zug werde ich das Gegenteil lesen. Es gebe keine hässlichere Stadt auf dem Planeten. Immer wieder werde Neapel mit New York verglichen, auch mit Kalkutta, wegen der Kriminalität, «wegen all dem Dreck», den man nicht in den Griff kriege. Neapel sei ein realitätsferner Alptraum, völlig unfähig die Gegenwart in akzeptabler Weise zu bewältigen.
Mit 15 Minuten Verspätung fahren wir in Domodossola los. Es geht runter nach Mailand.
Irgendwo wäre da die Isola Bella zu sehen gewesen, eine der Borromäischen Inseln, aber über dem Lago Maggiore hing der Nebel ebenso dicht wie zuvor im Wallis, wo wir beim Anblick von Visp und Brig noch ausführlich über Architektur und Städtebau diskutiert hatten. Auch über Putin und den Krieg hatten wir gesprochen. Im Simplontunnel kam dann das Wägelchen. Geschoben von einem Deutschen in SBB-Uniform und in leichtem Dauerstress. Er belehrte die Asiaten nebenan, sie befänden sich nicht in einem Flugzeug, sondern in einem Zug und deshalb sei sein Angebot halt bitte sehr nicht gratis. Er schenkte noch den üblichen Kaffee aus und wünschte uns sehr freundlich «stabile Festtage».
Gleich darauf hat er laut geflucht.
Diese Asiaten waren in Visp oder in Brig mit riesigen Koffern zugestiegen. Mit diesen hässlichen Schalenplastikkisten auf Rollen. Die standen jetzt im Zug wie Panzersperren und erschwerten dem guten Mann das Mini-Bar-Leben. Die blauen Koffer waren so riesig, dass man sich gleich fragte, wie das überhaupt gehen kann und wie sie die in den Zug rein bekommen haben, aber diese schmächtigen, freundlich lächelnden Asiaten, dieses auch immer wieder mal von seinen Bildschirmen aufschauende Paar hier links neben uns kam nicht auf die Idee, bei der Gepäckablage vielleicht selbst ein bisschen was umzuordnen, vielleicht mal ein bisschen was zu verschieben, sie hätten die Koffer ja nicht hochheben müssen, aber vielleicht mal die Leichteren ein bisschen aus dem Weg, um für die grösseren Platz zu machen? Keine so schwierige Sache, wie sich herausstellte.
Als sie wieder aufschauten von ihren Bildschirmen, immerzu lächelnd, sagten sie beide gleichzeitig: «Oh, thank you!» und ich sagte «No problem,» während ich dachte, so tüchtig wie es immer heisst, sind dann vielleicht doch nicht alle Asiaten, schon gar nicht die mit den überdimensionierten Koffern, die bekanntlich meinen, pro Tag bis zu drei europäische Grossstädte besuchen zu müssen.
Später im Hochgeschwindigkeitszug FrECCIAROSSA blockierte dann eine junge Dame, die eine grüne Maske trug, so kompromisslos den Durchgang, dass ich wieder an die Asiaten mit ihren unmöglichen Koffern erinnert wurde. Die Frau streckte ein Bein weit von sich, um bequem in ihrem Sitz hängen zu können. Derweil sass in unserem Abteil eine Dame auf Judiths reserviertem Platz am Fenster, die uns beim Einsteigen demonstrative nicht beachtet hatte, stattdessen mit mächtig aufgespritzten Lippen im Gesicht über uns hinweg ziemlich laut ein Gespräch mit ihrem Reisepartner weiterführte. Der sass schräg hinter uns auf einem Fenstersitz und machte auf seinem Display irgendetwas mir bunten Spielkarten. Ihre Sprache klang russisch und diese Dame soll, wie ich später von Judith erfuhr, einen Ring mit einem aufsehenerregenden Diamanten getragen haben. Ich staunte trotzdem vor allem darüber, wie man das hinkriegt, so absolut rücksichtslos über andere hinweg in einer fremden Sprache die grosse Röhre zu führen. Es war wie wenn sich in einem Restaurant zwei Gäste über die Nachbarstische hinweg um alle andern foutieren würden. Dass Judith nicht auf ihrer Reservation beharrte, versteht sich.
Umgestiegen sind wir im Tempelbahnhof Mailand, in dieser Kathedrale der Eisenbahn, und zwar bestiegen wir dort den Zug namens FRECCIAROSSA, also, wirklich ein ganz gewaltiges Ding dieser Rote Pfeil und wenn ich mich nicht irre, waren sogar zwei davon zusammengekoppelt worden, was die ganze Zugkomposition ungefähr so lang machte wie die halbe Strecke von Mailand nach Bologna und zurück oder fast.
Und es geht wirklich ab wie in einer Rakete.
Gemäss den Infos auf dem Bildschirm vorne im Wagen rasten wir meistens mit um die 250 km/h durch Italien hinunter und bestaunten wieder mal diese Märchenlandschaft, auch wenn über den Wiesen, Weiden, Feldern, Äckern und Alleen, über den Gehöften, Dörfern, Schlössern und Burgen der graue Schleier des Nebels hing.
Interessieren tat dies ausser uns aber sowieso niemanden, diese Hügelzüge mit den Wäldern und den Rebbergen schoben sich unbemerkt vorbei. Während man allgemein auf die Bildschirme der Smartphones starrte, versuchte ich zu lesen, diesem russischen Gespräch zum Trotz, das so munter über uns hinweg geführt wurde, dass es sich wohl eher nicht um den Krieg gedreht haben dürfte. Da waren auch immer wieder anmutige, in die Landschaft geschwungene Wege, die über Jahrhunderte gewachsen, wer weiss wohin führten.
Wege wie Spuren im Schnee.
Feldwege ins Nichts.
Wege eben.
Gut, auch verlassene Industrieanlagen hinter sieben Geleisen haben besonders im Nebel ihren Reiz. Einen hoch aufragenden Backsteinkamin sieht man immer gerne, auch wenn oben darauf kein Storchennest auszumachen ist.
Ich glaube es war in Reggio-Emilia, dass wir in einen sehr spektakulärem Bahnhof rausschauten wie in eine Rauminstallation aus weissen Betonträgern, bloss befanden wir uns nicht in einer Kunstgalerie, sondern noch immer im Zug und wurden auch wieder mit Kaffee versorgt, diesmal gratis. Die junge Dame mit dem Bein im Durchgang war inzwischen weggekippt und schnarchte ein bisschen unter ihrer grünen Gesichtsmaske und während ich den auch noch nicht unbedingt ausserordentlichen Kaffee trank, fiel mir auf der grünroten Hülle der mitgelieferten Serviette eine Trenitalia-Werbung auf: Più viaggi, più accumuli punti, was ich für mich ungefähr so interpretierte, dass man sich beim Reisen halt doch immer bereichert, indem man etwas dazu lernt, auch wenn ich bei unserem Aufenthalt in Milano gedacht hatte, dass diese Massenverschiebungen doch nur mehr sehr wenig mit Reisen im eigentlichen Sinn zu tun haben. Da waren nicht nur Tausende unterwegs, sie standen sich auch gegenseitig im Weg, um nicht zu sagen, auf den Füssen. Wie Esel waren sie beladen, schleppten Taschen und Tüten mit Weihnachtsgeschenken, Rucksäcke und Pakete jeder Art, bunte Tortenschachteln und in einer bauchige Tasche gestopft sah ich rot und weiss leuchtend, was nichts anderes gewesen sein konnte, als der Mantel für einen Weihnachtsmann, auf den irgendwo vielleicht schon gewartet wurde. Die halbe Stunde, die wir dort am Bahnhof verbrachten, reichte, um zu erkennen, dass auch in Mailand nicht alle im Luxus leben. Auch in Milano gibt es die unbehausten Gestalten, die rund um den Bahnhof ein bisschen Schutz vor Wind und Wetter suchen oder mit hohlen Händen die einen, mit ausgestreckten Plastikbechern die andern, um Almosen betteln. Andere lagen als traurige Bündel auf dem nackten, staubgraudreckigen Boden, in ihren zerfetzten Lumpen unbeachtet, ausgeschaubt, wie man das mittlerweile von überall her kennt und immer vergisst, hat man doch selbst ordentlich Bares dabei, edle Klamotten am Leib und vielleicht auch noch eine stylische Tüte mit einem chiquen Logo drauf am Arm und den prall gepackten Rollkoffer hat man schön bei Fuss wie einen braven Hund. Weil die Cafés überfüllt waren, gingen wir auch kurz raus, einmal um den Bahnhof, atmeten draussen etwas Mailänderluft, fühlten die grosse Stadt, die sich da ausbreitet, und auch hier liessen sie sich kaum fassen, die vorbeieilenden Menschen, die zahllosen Gesichter, von ihren Smartphones an- und umgetrieben, aber da greift eine Dame aus mit der freien Hand, stösst eine Glastür auf, bahnt für sich und für ihren Rollkoffer einen Weg und verschwindet bei Feltrinelli, wo ich hell beleuchtet die Bücherberge aufragen sehe wie die Alpen im Morgenlicht, das leselustige Publikum gibt es also auch hier und bitte schön: Auch einen Zeitungsverkäufer gibt es noch. Für den CORRIERE DELLA SERA halte ich ihm fünf Euros hin, er nickt und gibt ein paar Münzen zurück in das Gedränge, in die Eile der Grossstadt, wo auch das Überangebot an Eindrücken Rekorde schlägt: Aber dieser weisse Pelzmantel! Diese so hoch gesteckte, verrückte Frisur! Diese schlampige Art zu gehen! So ein grosser Hund! Wozu dieses Fahrrad im Gedränge? Und was soll der Schaal so lang, dass er über den staubigen Boden wischt! Und diese Schuhe! Wer trägt denn solche Klumpen an den Füssen? Und unter einer offenen Lederjacke doch tatsächlich noch ein T-Shirt mit der Aufschrift I LOVE NEW YORK.
Napoli (AFI: /ˈnapoli/ ascolta[?·info]; Napule in napoletano, pronuncia [ˈnɑːpələ])[6] è un comune italiano di 913 462 abitanti,[3] terzo in Italia per popolazione, capoluogo della Regione Campania, dell'omonima città metropolitana e centro di una delle più popolose e densamente popolate aree metropolitane d'Europa.
Da Wikipedia, l'enciclopedia libera.
Dann plötzlich dieser Platz mitten in Neapel: Schon wieder so viele Menschen, Kinder, Hunde! Weit hinten ragen ein Dutzend klassische Säulen auf, ein Prachtbau steht dort, vielleicht ein römischer Tempel und da rechts ein Steinkasten gross wie ein Berg, der königliche Palast. Und dort vorne himmelhochgebaute schmale Gassen, aus welchen heraus sie anspaziert kommen in Schwärmen, in Gruppen klein und gross, mit Kinderwagen, als Familien, als Clans aufgereiht, schlendernd, mäandernd, zu zweit, eingehakt, Hand in Hand, viele aneinandergeschmiegt, verliebt, mit einem Arm um eine Schulter, dort um eine Taille, mehrheitlich eher dunkel bis schwarz gekleidet, eingewickelt in Mäntel und Schaals, mit Kappen auf den Köpfen und unzähligen Arten von Mützen.
Die Neapolitaner! Die Neapolitanerinnen!
Wer hätte gedacht, dass es davon so grenzenlos viele geben könnte!
Sie kreuzen sich, schwenken ab, gehen nach links, nach rechts und sie reden und reden und sie rauchen, schwatzen vergnügt daher, telefonieren, starren auf ihre Displays, ein Gerät schmiegt sich in fast jede Hand. Sie tragen elegante, auch knallig kühne Kleider, schweben in offenen Mänteln wie Engel daher und andere finden auch auf zu hohen Absätzen leichtfüssig hinunter zu Meer und Strand. Gerade läuft dort ein Segelschiff ohne Segel aus, weit draussen liegt ein Frachter vor Anker, auch wird gleich ein Kreuzfahrtschiff auftrumpfen, weiss leuchtend wie eine göttliche Erscheinung aus dem Nichts und schon heben die Neapolitanerinnen ihre bunten Sonnenbrillen an, zeigen strahlende Augen, lächeln hinaus in die Bucht und in die Bildschirme an den ausgestreckten Armen und schauen auch rüber zum Vesuv, ihrem Vesuv, ihrem leicht umwölkten ewigen Vulkan. Und wieder bleibt man stehen, schaut um sich, lacht, verwirft die Hände, hebt die Schultern, verzieht das fragende Gesicht, als wäre man empört oder erstaunt, und redet und jemand ruft «Luisa! Luisa!» oder «Salvatore» oder «Gina! Attendere prego!», ja man hört sie gerne ihre klingende Opernsprache, die sie lieben und nicht aufhören können sie zu singen, zu reden und zu schreien und immer gibt es noch etwas ganz Wesentliches lauthals hinzuzufügen und geraucht wird fleissig und inniglich und als hätten wir vergessen, dass wir uns in Italien befinden, knattern Motorräder vorbei, und dazu all diese Hunde klein und gross, brav oder kläffend, mit wedelnden oder erhobenen Ruten hechelnd, hier und dort drüben auf der andern Strassenseite und sowieso fast überall.
Ah, die Neapolitaner! Ah, die Neapolitanerinnen!
Eben hatten wir mit Genuss von ihrem berühmten pechschwarzen Kaffee getrunken, aus kleinen weissen Tassen, wie es sich gehört, lieber hätte man uns zwar eine Pizza serviert, aber dort sassen wir am Ufer des nie abbrechenden Stroms dieses Volkes auf seiner feierlichen sonntäglichen passaggiata. Es war noch immer hell, sogar leuchtend mit wolkenfreien Flecken hier und dort am Himmel über Vesuv und blauem Meer.
Dass es auch noch Weihnacht war, hatten wir längst vergessen.
Also weder Kalkutta noch New York, sondern eine «wirre, widersprüchliche, gärende Stadt, in der Gewalt, Korruption und camorristische Infiltration die «sozialen Beziehungen zerrüttet haben», die aber trotzdem immer noch die einzige italienische Stadt mit hauptstädtischem Charakter ist.
Felice Piemontese: Die Herrschaft der Ratte (In: Neapel, eine literarische Einladung)
Im Höllencaracho hat man uns vom Bahnhof zum Hotel gefahren. Ein Ritt wider jede Vernunft durch die Nacht. Als wäre das Taxi ein Spielzeug in den falschen Händen, ging es auf der falschen Spur in der falschen Richtung durch enge Schneisen von Strassenschluchten und schwach beleuchtete, womöglich gesperrte Gassen, vor uns war da immer wieder ein Bus, eine wacklige Strassenbahn, ein anbrausendes Motorrad, dem im scheinbar allerletzten Moment gerade noch ausgewichen werden konnte und schon waren wir quietschend um eine Kurve an hohen, verstaubten Fassaden vorbei in einen Tunnel geraten, rasend schnell, an Abschrankungen, Bretterwänden und Gerüsten vorbei als wären wir Teil eines Autorennens quer über einen Bauplatz und mitten durch eine endlose Müllhalde. Berge von Abfall quollen in zerschlissenen Säcken aus zerschlissenen, teilweise auf die Fahrbahn gerutschten Containern und zeigte sich weit vorne ein Fussgänger auf der Strasse, war es, als würde der Taxifahrer noch mehr Gas geben, um ihn ja noch zu erwischen und natürlich wurde gehupt! Und natürlich tat der Fahrer so, als wäre das alles normal, verwirrt und meinen Augen nicht trauend, habe ich mich ihm ungläubig zugewandt und es war, als hätte ich die Herzen der Frauen auf dem Rücksitz pochen gehört.
Napoli! Napoli! Napoli! Napoli! Napoli!
Gut, wahnsinnig überrascht ist man nicht. Man war auch schon mal da gewesen, wenn auch vor vielen, vielen Jahren. In Erinnerung geblieben ist eigentlich nur das grelle Licht sehr heisser Tage im August und die Freundlichkeit des Fiatfahrers, der die beiden Autostopper von Brindisi nach Neapel hatte mitfahren lassen. Architekt war er von Beruf gewesen und mitgenommen habe er uns, weil er selbst in jungen Jahren sein Land auch nur per Anhalter hatte bereisen können.
Im Zug nach Pompei sass ich zwei jungen Asiatinnen gegenüber, die glotzten wie hypnotisiert mit rätselhaft leeren Minen auf die Displays ihrer Handys. Ich sah ihre matten Augen, ihre weissen Zähne in den offen stehenden Mündern, während immer mehr Leute zustiegen, langsam alle Sitze besetzten und den Wagen füllten und dann als wir rausfuhren, hinaus aus der Stazione Centrale, hinaus aus Napoli, vorbei an Fabriken, Lagerhäusern, Hafenanlagen, immer mit diesem Vesuv vor uns und immer mal wieder mit einem Blick auf das blau leuchtende Meer, starrten die beiden Asiatinnen weiter unverwandt auf ihre Bildschirme und dies auch als sich vor ihnen eine ebenfalls asiatische Familie niedergelassen hatte. Diese Familie hatte eine kleine Tochter dabei, ein süsses kleines Mädchen mit süssen Augen im süssen Gesichtchen und diese Augen wanderten herum und hinaus und sahen, was ich sah und das waren noch grössere Fabrikanlagen, noch mehr Baustellen und noch mehr Bauruinen und noch grössere Lagerhäuser, und endlos aufgetürmte Container, ganze Gebirgsketten von roten, blauen, grünen, gelben Containern und Wohnblöcken mit ihren Balkons einer neben dem andern, keiner ohne zum Trocknen aufgehängte Hosen und Hemden und Bettlaken und Tischtücher und in Leopardi wird wieder zugestiegen, quietschend und ächzend kam der Zug zu einem Halt, quietschend und ächzend schoben sich die Türen auf und wieder zu und jetzt steht dort eine Frau mit einem knallrot geschminkten Mund beim Eingang, starrt auf ihr Handy und kaut Kaugummi im Schnellgang und dann immer öfter jetzt etwas Grünes zwischen Wohnhäusern, verlassenen Fabrikgebäuden, einstürzenden Gewächshäusern, Bauruinen, immer öfter kleine und grosse Gemüsegärten und dann neue Treibhäuser und Hecken und Pergolas und Reben und Bäume so südlich, so gross, jeden möchte man umarmen oder wenigstens die aufstrebenden, ausladenden Schirmpinien fotografieren, und alles immer vor dem näher rückenden Vesuv, und dazu ratterte, kreischte, knirschte und rumpelte dieser lotterige Zug über die Geleise, als wäre er kurz vor dem Auseinanderbrechen.
Più viaggi, più accumuli punti.
Piazza Garibaldi
Via Gianturco
Portici Bellavista
Via Libertà
Ercolano Scavi
Tore de greco
Leopardi
Trecase
Villa Regina
Achtung! Ein Taxi! Pass auf! Du stehst auf der Strasse! Fotografiert habe ich, einfach so ins Blaue hinaus, einfach so die Gasse hinunter und auf der Piazza Gesù mache ich wieder ein Bild, eigentlich ohne den Mann, der sich gerade mit dem Handrücken über den Mund fährt, ins Auge zu fassen. Ja, auch hier schmeckt er, der Kaffee und die corneti sind buono und es ist im alten Napoli gar nicht möglich, beim Fotografieren nicht irgendwas Verrücktes im Bild zu haben. Eben setzt sich ein angeleinter Hund auf den Boden, um sich mit einer bandagierten Pfote im Halsfell zu kratzen, der Halter ist stehengeblieben und schüttelt den Kopf und ein paar Mönche gehen vorbei, über ihren braunen Kutten tragen sie Daunenjacken, unter welchen die Kordeln herausschauen und vor ihnen her im Schritt plampen und ein Grosser lachender Mönch trägt einen Rucksack, ein kleiner Dicker eine Computertasche und dort sitzt ein alter schwarzer Mann auf dem Rammstein, der an der schmalen Seitengasse die Häuserecke schützt, eine Vespa braust an, eine Tüte fällt zu Boden, der Schwarze hebt sie auf und ohne abzusteigen dreht sich ihm die Fahrerin zu, sogar mit Helm äusserst charmant wie sie sich bedankt, lacht und winkt und weiterbraust und wieder hupt ein Taxi, Handwerker in gelben Arbeitsuniformen steigen aus einem Lieferwagen der Stadtwerke. Na, bitte, das gibt es also auch, es bleibt nicht alles kaputt, Kanalisation und auch das Elektrische wird doch gewartet und in der Kirche Gesù Nuovo sehen wir wieder eines jener Wunder, die Gläubige vollbringen können, man hört die Jahrhundert raunen im himmelhohen Raum. Ein solches Bauwerk! Hätte unser Berner Münster Räder, man könnte es hier glatt reinschieben. Natürlich wird auch gebeichtet, auf einer Bank wartet ein Priester auf die Sünder, Kerzen brennen, viele Kerzen brennen und aus einem Seitenschiff dringt monotoner Gesang, eine Messe wird gelesen. Dann steht man vor dem hier aufgebauten Krippenspiel und traut seinen Augen nicht. Fantastisch ausufernd sprengt es schlicht jeden Rahmen. Es ist eine Krippenlandschaft. Ein ganzes Tal! Nein, es sind nicht bloss drei Könige und ein paar Hirten, die zur heiligen Stätte drängen, es ist diese Stadt, es ist Neapel, es sind ganze Familien, unzählige Figuren von Müttern und Handwerkern, Mägden, Pilgern, Bauern, Matrosen, Alten, Jungen, Reichen, Armen, Gesunden, Kranken, das Volk drängt aus allen Richtungen herbei, faltet die Hände, verbeugt sich, kniet nieder, um das Neugeborene anzubeten und nicht weit von der Kirche Gesù Nuovo reihen sich die Läden aneinander, die nichts anderes verkaufen als solche Figuren in Tausend Variationen: Esel, Kühe, Schafe und Menschen und Menschen, noch und noch, zum Aufstellen im heiligen Stroh rund um die heilige Familie im Stall von Bethlehem.
Leider vergass ich, nach einem «Caganer» Ausschau zu halten. Dieser kleine Bauer mit heruntergelassenen Hosen, nacktem Hintern, der irgendwo versteckt gerade einen Haufen macht, der als Krippenfigur so typsich ist für Katalonien, soll es hier unter dem Namen «Cacone» auch geben.
… ich beachtete noch immer die Vorsichtsmassnahmen, die mir meine Verwandten jedes Mal, wenn wir «in die Stadt» gingen, eingebläut hatten. Ich trug keine Armbanduhr, keinen Schmuck, keinen Fotoapparat. Die Brieftasche steckte nicht in der Gesässtasche, sondern hing an einer langen Kordel, versteckt unter dem Hemd, um den Hals. Niemals würde ich in einer solchen Gegend bei einem Bankautomaten Geld abheben oder mein Handy hervor nehmen.
Aus dem Roman «Spurlos in Neapel» von Franco Supino:
Hockte eben wieder eine halbe Stunde in einem klapprigen Taxi im Stau. Der Fahrer sagte kein Wort, krümmte sich mit starr ins Leere gerichtetem Blick über das Lenkrad wie tot. Ich auf den schmuddeligen, auch noch aufgeschlitzten Plastikschutz auf dem Rücksitz, fragte mich, was ich dort zu suchen habe. Wir steckten in jenem grauen Tunnel, für den ich schon seit dem Tag der Ankunft nur grenzenlose Verachtung übrig hatte. Ein menschenfeindliches Loch. Die Hölle. Motorräder surrten und dröhnten und klagten, während sie sich an der Kolonne vorbeidrängten, zwischen den Stossstangen, sich um die Wagen schlängelten, sich Lücken suchten, , dann aufjaulten und davonheulten, wenn sie eine gefunden hatten. Zuvor hatten wir minutenlang mit laufendem Motor neben ekligen Bergen von Müll und Schutt gestanden. Das war die Vorhölle. Gnadenlos ist man jedem Dreck ausgesetzt. Wobei dieses würdelose, halsbrecherische Rasen, dieses ganze eilige Getue des durchgeknallten Verkehrs mich als der Inbegriff der Hässlichkeit noch stärker durchwühlte als das Stehen im Stau.
Stell Dir eine Stadt vor
erbaut auf Verbrechen
Stell dir ihre Menschen vor
Beherrscht von Angst
Stell dir ein System vor
Vergiftet durch KorruptionNeapel Italien 2008
Keiner ist unschuldig
Nirgendwo ist man sicher
Keiner bleibt verschontAus dem Trailer zur Verfilmung des Romans von Roberto Saviano «Gomorrha», Reise in das Reich der Camorra den ich im Zug nicht gelesen habe.
Verhalten, dumpf der tiefe Schlag. So langsam. Vom gedrungenen, eckigen Turm herab geht die Totenglocke über den Platz, durch die Gasse und durch einen hindurch wie ein sanfter Schmerz. Von den Amerikanern total zerbombt, hat man die Klosterkirche Santa Chiara eher nüchtern wieder aufgebaut. Das Mittelschiff ist riesig und schlicht. Eindringlich hallen die Worte der Totenmesse aus der Tiefe heran. Weit vorne im hellen, weissen Raum breitet der Priester mit der roten Stola um den Hals die Arme aus, die Trauergemeinde betet …Dio Padre e Dio Figlio … Spirito Santo…und draussen glänzt und funkelt der Leichenwagen. Es ist ein grosser, schnittiger Jaguar. Während ich ihn fotografiere kommt ein weiterer, dumpfer, müder Totenglockenschlag vom Turm herab und jetzt geht eine Frau über den Vorplatz, die in ihr Handy schreit, dass sie jemanden, nie, nie mehr sehen will. Jetzt habe sie ein für alle Mal genug, jetzt sei Schluss, aber für immer! Weiter schreiend, schreitet sie davon, schwarz wie Siegellack glänzt der Leichenwagen in der Sonne und da auf der Gasse malt einer witzige kleine Alltagshelgen für das gaffende, träge, hungrige Volk, im Touristenmodus schiebt es sich vorbei, und dort schneidet einer aus Blech ganz ansprechende Fische und wieder einer sitzt neben bedrucktem Toilettenpapier, das er mit dem aufgedruckten Porträt des russischen Präsidenten verkauft, was auch Tochter Babette ziemlich geschmacklos findet, aber auch an Weihnacht in Neapel geht er weiter der Krieg und wieder dröhnt dumpf und lang ein Schlag der Totenglocke von Santa Chiara vom Turm herab.
«Heute schlich ich beobachtend, meiner Weise nach, durch die Stadt und notierte mir viele Punkte zu dereinstiger Schilderung derselben, davon ich leider gegenwärtig nichts mitteilen kann»
Goethe: Italienische Reise II. Neapel, März 1787
Aber, fragte ich, wäre das hier dein Lokal, würdest Du nicht zum Besen greifen und wenigstens vor der eigenen Tür ein bisschen sauber machen? Aber bitte! Wir sind in Neapel! So die kurze Antwort. Es war allerdings Heiliger Abend gewesen und vor dem Traditionslokal Umberto, wo wir eine Reservation hatten, war die Gasse schuhhoch zugemüllt, wie man sich das wirklich nur hier vorstellen kann. Plastikbecher, Servietten, vergessene Tasse und Gläser, Scherben, Zigarettenschachteln, Petflaschen und kein Schwein bemüht, die Spuren der Fete des Vortages zu beseitigen. Drinnen war es in Ordnung, tipp top dieses Weihnachtsmenu, aber bei der engen Bestuhlung doch verdammt teuer für derart unbequeme Plätze und das Schönste war vielleicht die Kunst: Auch hier drehte sie sich um den Vesuv. Oh Vesuvio mio! Hier hing er bunt und dutzendfach quer aufgeschnitten, einmal mit, einmal ohne Rauch oder Wolke, blau und rot und rot-blau und grün und orange, aber immer reduziert der schwarze Ausbruch aus der bekannten Form des Kraters, immer mit Sicht in den tief in die Erde hinabgreifendem Schlund, der vielleicht schläft, aber noch immer lebt und droht.
Gibt es in Neapel eine Organisation die mit Addiopizza in Sizilien vergleichbar ist?
Ja, es gibt ähnliche Organisationen wie Addiopizzo in Neapel. Eine davon ist die Antimafia-Bewegung “Libera Terra” (Freies Land), die sich gegen die Mafia und organisierte Kriminalität einsetzt1.Chat Microsoft Bing
Und natürlich stammte der Wein, den wir tranken, von den fruchtbaren Hängen des Vesuvs und natürlich besuchten wir nicht nur das Restaurant Umberto, sondern auch die grössenwahnsinnige Galleria Umberto I, in der zwar bis auf ein Café alle Läden geschlossen waren, Plumelli ciuso! A Palumbo ciuso! Vor dem Schaufenster das Rollgitter, aber in dem Prachtbau ist alles blitzsauber, strahlend, man traut seinen Augen schon wieder nicht.
Und gleich gegenüber die stolze Oper mit so viel Geschichte in die Fassade geschrieben! Neapel war auch mal Hauptstadt der Oper, sage ich. Schon gut, sagte Tochter Maxine, aber Madrid, wo sie wohnt, sei trotzdem zehnmal zivilisierter, habe sie doch eben wieder bis hier her kein einziges Cafè gesehen, das einladend gewirkt hätte, da gebe es sogar Orte, die würden sie niemals betreten, doch überall gross ist die Lust am Essen, hier gibt es immerhin die beste Pizza der Welt und wo bitte schön haben sich die Spaghetti und die Spaghettoni und die Spaghettini in Italien zuerst so richtig breit gemacht? Natürlich in Neapel, aber unser Kellner, hat offensichtlich seinen Beruf verfehlt, überlässt uns dem duseligen Geplärr aus versteckten Lautsprechern, liegt wie ein Sack auf der Theke, den Kopf mit einer Hand aufgestützt über sein Smartphone gebeugt, wo er spielt oder dealt oder verkuppelt oder was weiss ich, anstatt uns die Bestellung zu bringen, die in der Anrichte erkaltet. Dann verwechselt der Trottel die Pasta und die Pizzen, bringt auch sonst alles durcheinander, aber auf die Rechnung müssen wir nicht lange warten, die bringt er gerne, wenn auch ohne jede Spur des sonst so verbreiteten Charmes. So eine Nullnummer. Der hat uns gesehen.
Neben Reizbarkeit und dem Hang zur Gewalttätigkeit ist es dabei vor allem die Neigung zum Müssiggang und zum leichten Leben, die in den Reiseberichten immer wieder thematisiert wird. Dabei neigen aufgeklärte englische und französische Beobachter eher als deutsche Autoren dazu, die angebliche «Faulheit» der Lazzaroni nicht einem allgemeinen Volkscharakter zuzuschreiben, sondern der Desorganisation und Rückständigkeit der absolutistischen Monarchie.
Dieter Richter: Neapel, Biografie einer Stadt
Die Parade der Gäste aus aller Welt am Buffet mit ihren je nachdem wohl erzogenen oder unmöglichen Kindern wird uns entgehen. Heute wollen wir in der Stadt frühstücken, werden den freundlichen Morgengruss und das herzliche Lächeln der dunkelhaarigen Kellnerinnen mit ihren makellosen Manieren und ihren stolzen römischen Gesichtern missen. Dafür bleiben uns ein paar bis in die Unansehnlichkeit verjüngte Fratzen erspart, auch die grotesk verschönerten Bodies, die auf saloppen Klamotten in grossen Buchstaben Markennamen rumtragen wie Trophäen, während sie sich ihre Eier, ihre Brötchen, ihre Säfte zusammensuchen. Ich kann die vielen hier ausgestellten Zeichen nur schwer deuten, die Status und Klasse vorgeben, da müsste man sich besser auskennen in Süd-Amerika und überall sonst in der Welt, aber der Diamant, der Diamant der ach so netten Dame ohne Anstand im Zug sei bestimmt ein Vermögen wert gewesen, sagte Judith und leider überwiegt auch hier nicht immer der gute Geschmack.
Vor vielen Jahren, seien sie nach der langen Reise abends in Neapel angekommen, hatte Freund H. berichtet. Zu Ihrer Erleichterung hätten sie auch gleich gegenüber vom Bahnhof eine Pension gesehen. Sie konnten sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie dort rüberkommen sollten, so haarsträubend unbändig sei der Verkehr gewesen. Sie hatten einfach keine Ahnung, wie man diese Strasse unversehrt überqueren könnte.
Später, sagte Freund H., später habe er es rausgefunden. Andere haben es ihm vorgemacht. Man macht es wie Moses am Roten Meer. Man schreitet voran. Unbeirrt, zuversichtlich. Und siehe da, wie sich vor Moses die Fluten teilten, hält der Verkehr inne, lässt die Fussgänger passieren. Nie sei er während seines Aufenthalts in Neapel Zeuge eines Verkehrsunfalls geworden.
Vor dem geöffneten Fenster steht am Horizont der Vesuv und es zeigt sich das Meer. Containerschiffe liegen bunt vor Anker. Eines läuft aus. Und unmittelbar vor dem Hotel noch mehr Hundehalter, Joggerinnen, Rad- und Rollbrettfahrerinnen und wie immer dabei auf dem Lungomare diese virilen Alten im ausgreifenden Schritt mit den braungebrannten Gesichtern von Hochseekapitänen oder Spitzensportlern, dazu die langen Mäntel betagter Damen leicht aufgebläht in der Brise vom blauen Golf, knapp die schwarzen Miniröcke der Mädchen im Ausgang, sie führen sie vor, die Hunderttausend Arten sich zu bewegen, so viele knallrote Lippen, so viel Liedschatten, so viel Schmuck und Schminke, so viele Beutel, Schultertaschen und Täschchen, so viele Mini-Taschen und dazu auch noch so viele Super-Mini-Mini-Taschen von Gucci oder von Dings oder von Bums. Man hat ja einfach so keine Ahnung ….. Oh, der Kinderwagen! Scusi! In dieser Stadt scheut niemand den Aufwand beim Auftritt auf die grosse Bühne der Strassen, Gassen und Plätze: Die modischen Kopfhörer, die Tücher, Hüte, Kappen, Mützen, Tschäppel nehmen kein Ende und gopferdeckel immer das Smartphone am Ohr oder weit ausgestreckt, Bilder sammelnd, wie um der Welt den Puls zu nehmen, in alle Richtungen alles ab- und aufsaugend und am Ohr frei sprechend und lachend und jetzt umarmt man sich, beklopft sich, zwei andere lichten sich gegenseitig ab, zeigen sich auch gleich die Bildschirme mit dem Resultat und dort verjagen kleine Kinder die Tauben und auch immer wieder zwei die sich streiten, fluchen, schreien auf der Gasse, hier und dort und auf dem Lungomare, sie geht drei Schritte hinter ihm, aufgebracht, die Arme verwerfend. Porca miseria! Er ganz ruhig, als kenne er sie nicht, schlendert er der Uferballustrade entlang, schaut hinaus auf das blaue Meer. Sie schreit wieder, porca miseria, und ich lege auf dem Hotelbett das Mafiabuch aus der Hand, sehe wie sie ihn am Arm schüttelt, sehe auch eine Möwe, und noch eine, dann ein Flugzeug und über dem Vesuv eine Wolke, die überhaupt nicht aussieht wie ein Hut, schon gar nicht wie ein Herz.
50 g Mozzarella 2 Tomaten 2 Dosen Sardellenfilets (ca. 100 g) 2 EL Kapern 100 g schwarze Oliven 2 EL getrockneter Oregano wenig Pfeffer Pizza Napoletana Betti Bossi
Dem gedruckten Reiseführer ist er zwar nur ein paar schäbige Zeilen wert, aber Neapel hat einen begehbaren Keller zu bieten. Im Napoli Sotterranea kann man durch das Unterbewusstsein der Stadt spazieren. Schon bei den Griechen und den Römern hätte es seinen Anfang genommen.
Die Wendeltreppe über die wir hinuntersteigen in dieses System von Kavernen und Kanälen nimmt kein Ende. Es wird ungemütlich grau, braun, farblos. In bis zu 60g Meter Tiefe brach man hier den Tuffstein, holte ihn herauf zum Errichten der Häuser, Kirchen, Festungen. Flüsse hat man in diese Löcher geleitet. Der Wasserversorgung hat die labyrinthische Unterkellerung gute Dienst geleistet. Flüsse wurden umgeleitet, in jedem Haus gab es einen Brunnen durch den mit den hochgezogenen Eimern auch Geister aus der Tiefe kamen.
Es wucherten die Mythen, Legenden entstanden, in der Nähe von Kirchen dienten die Unterhöhlungen der Steinbrüche auch als Grabstätten, in welchen man eigene Totenkulte und Rituale zelebrierte. Anstatt die Leichen zu vergraben oder verbrannt und eingeäschert gehen zu lassen, wurden sie aufgebahrt blieben Angehörigen zugänglich, wurden immer wieder besucht, es wurden schräge Bräuche gepflegt, die sehr spezielle neapolitanisch waren und ausarteten, bis der Papst ein Machtwort sprach.
Die Dimensionen der unterirdischen Stadt sind in der Tat schlicht gigantisch, was natürlich zu Neapel gut passt, ebenso wie die Tatsache, dass man die Kellergewölbe, nachdem sie im Krieg als Luftschutzkeller gedient hatten, schon bald als Mülldeponien missbrauchte. Neapel bleibt immer Neapel.
Auf der Führung quetschten wir uns auch durch einen 20 m langen Tunnel, wohlverstanden 40 m tief im Untergrund, und ich war erstaunt, dass ich nicht in Panik geriet oder nicht von noch stärkeren klaustrophobische Gefühle befallen wurde.
Bespiele solcher Genügsamkeit und aufmerksamen Benutzens dessen, was sonst verlorenginge, gibt es hier unzählige. Ich finde in diesem Volk die lebhafteste und geistreichste Industrie, nicht um reich zu werden, sondern um sorgenfrei zu leben.
Goethe: Italienische Reise II. Neapel, März 1787
Die Sängerin im gelb-roten Kleid strahlt mich an, ihr Partner wahrt den Überblick und spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall. Ein Lied soll ich mir wünschen! Jemand sagt, aber O sole mio, haben sie doch dort drüben eben gerade gespielt. Sie spielen es trotzdem. Für mich. Sie singt wunderbar, ihre Augenbrauen gehen hoch, die Stimme bebt, auch die Arme gehen mit und die Gitarre gibt alles her, es wird angesungen gegen den Lauf der Welt und dies mitten drin im grossen Restaurante Zi Teresa. Der Geräuschpegel! Die vielen Stimmen! Das Gelächter überall. O Sole mio. Das Gesamtkunstwerk Essen, alle sind wie losgelöst von Arbeit und Alltag wie auf einem Schiff auf hoher See, alle auf dem Weg ins Schlaraffenland, alle gut drauf, gesellig, sich unterhaltend, kauend, trinkend, feiernd. Wie traumhaft schön das sein kann, so eine Haufen Neapolitanerinnen, die einen Spritz, ein Bier oder schon etwas Wein getrunken haben. Schön ist das, sogar wenn sie penetrant laute Stimmen oder sehr schmale Münder haben, wie der Mund der jungen Frau, der sich gerade verzieht zu einem schiefen Schlitz, wenn sie die Frites kaut, die sie sich vom Teller des Töchterchens schnappt und sich voller Wonne zwischen die Lippen schiebt, die ihr ganz offensichtlich auch schmecken und was anderswo vielleicht als zu viel des Guten oder gar als aufgetakelt gilt, das alles ist hier am Hafen die Regel, und da bei den Damen, die uns bedienen, das ist auch wieder diese freundliche, unübersehbare wunderbare Kraft. Die ältere der Damen ist zweifelsfrei von hier, die jüngere aber stammt aus der Ukraine, ist geflüchtet vor dem Krieg, beide aber sind so herzlich, beide äusserst kompetent, denen macht niemand etwas vor und ihre Tüchtigkeit steht ihnen so gut an, dass es für sie und für uns eine Freude ist.
Und nachts, wenn alle Geschäfte geschlossen waren, wenn man an Obdachlosen in Kartonbehausungen und ihren Hunden vorbei gehen musste, mied ich Forcella sowieso. Bestimmt, dachte ich, ist das eine längst überholte Panik. Viele Touristen spazieren inzwischen völlig unbeeindruckt zu jeder Tageszeit durch Forcella, und es gibt Neapolitaner, die behaupten, die Gefahr, dass einem hier ein Stück Stein aus einer Fassade auf den Kopf falle, sei massiv grösser als die, Opfer eines Taschendiebs zu werden.
Aus dem Roman «Spurlos in Neapel» von Franco Supino:
Dort zieht noch so ein tollpatschiger junger Hund mit weissen Pfoten und mit Lampiohren an der Leine. In der nächsten Gasse quält sich ein anderer Neapelhund mühsam voran. Er ist wohl schon etwas in die Jahre gekommen mit den grauen Flecken im Fell. Jetzt bleibt er zurück, bleibt stehen, keucht. Prego! Prego! sagt die Halterin mit viel Geduld, während über ihr an einem Seil ein blauer Plastikeimer hinaufschwebt, hinauf zwischen den sich eng gegenüberstehenden Hausfassaden.
Wer den Eimer hochzieht, ist nicht zu sehen, aber mit angelieferten Einkäufen gefüllt, segelt er an den Balkonen mit der ausgehängten Wäsche an Hemden und Hosen vorbei, hinauf zur dankbaren Kundschaft, und schon wieder denke ich, in Napoli weiss man sich zu helfen, in Napoli richtet man sich ein, denn gleich da hinten um die Ecke hat vorhin einer auf seinem Roller zwei Gasflaschen angekarrt. Zwei sperrige, schwere, eiserne Behälter, unglaublich eigentlich, kaum nachvollziehbar, wie er das schaffte, auf diesem Roller! Aber am nächsten Tag sehen wir wie einer auf dem Sozius seiner Vespa eine ganze Beige Ziegelsteine durch die Gasse karrt und völlig ungläubig staunend sitzen wir dabei, wie sich vor einem Café, der Wirt, der uns eben bedient hatte, mit einem Corneti und einem Cappuccino im Pappbecher mit Deckel zur einhändigen Hauslieferung aufmacht. Ohne Helm braust er los. Mit nur einer Hand an der Lenkstange umkurvt er viel Volk auf der Gasse. Er ist auch gleich wieder da, als wäre nichts und auf meine Frage nach dem Helm, fragte er zurück, woher ich sei.
Svizzera? Er lacht. Piu viaggi piu accumuli punti ! Hier sind andere Sachen wichtig.
Heute, den 3. März, ist der Himmel bedeckt, und ein Sciroccowind weht; zum Posttage gutes Wetter. – Sehr gemischte Menschen, schöne Pferde und wunderliche Fische habe ich hier übrigens schon genug gesehen.
Von der Lage der Stadt und ihrer Herrlichkeiten, die so oft beschrieben und verlobt sind, kein Wort. «Vedi Napoli e poi muori!» sagen sie hier. «Siehe Neapel und stirb!»Goethe: Italienische Reise II. Neapel, März 1787
Ohne Manöver schaffte es das Taxi nicht um diese Kurve, um diese Kurve in den Serpentinen mitten in der Stadt. Auch bei der nächsten Kurve muss der Taxifahrer anhalten, muss einmal zurück, einmal vor, noch einmal zurück, so eng ist die Strasse, die uns Zeit lässt, zu sehen, dass diese Häuser hier keine Häuser sind. Es sind selbstbewusste Wohntiere, denen man zutraut, dass sie sich selber entschieden haben, genau dort zu stehen, wo sie stehen. Wie Katzen haben sie sich vor Tausend Jahren dort an der Sonne hingehockt, um sich nie, nie mehr wieder wegzubewegen. Diese Häuser wissen ganz genau, wo sie wohnen, lachen auch unbemerkt über alle, die nicht wissen, wo sie sich befinden, die diese Luft nicht zu atmen verstehen, die sich gedankenlos der Eile hingeben, ohne zu erkennen, wer sie sind. Dort hoch oben, im vierten Stock müsste man auf diesem Balkon sitzen können, man würde auf das Meer und die Inseln hinausschauen und würde sehen, wie es war, das Paradis, das ich später im Traum immer wieder zu sehen bekomme , denn ich fahre abermals an den stolzen Häusern vorbei die kurvenreiche Strasse hoch, sehe diesmal auch die blitzblanken Vitrinen eleganter Geschäften, vor welchen adrett gekleidete Damen und Herren aus edlen Autos steigen und würdevoll durch Türen schreiten, die ihnen von livrierten Dienern mit einem Knicks geöffnet werden und weil plötzlich alle Widersprüchlichkeiten verschwunden sind, bin ich beglückt, bewundere ihren Stil und ihren guten Geschmack und wieder sehe ich im Hintergrund auch den Vesuv und das Meer und träume ich sässe staunend weit vorne, ganz nahe bei der Leinwand in einem schwarz-weissen italienischen Film, von dem ich hoffe, dass er nie nie zu Ende gehen wird.
Neapel sehen und sterben.
Mare da calmo a mosso per tutta la giornata. Nel dettaglio, al pomeriggio mare poco mosso, alla sera mare mosso, nella notte mare calmo. Venti moderati provenienti dai quadranti sud occidentali nell'arco di tutta la giornata con un'intensità che potrebbe arrivare fino a 14.8 km/h.Meer ist calmo, mosso oder agitato.
MeteoMar Napoli - Previsioni Mare e Venti
Die Leute, unter denen wir sitzen, wischen sich mit rot-weiss karierten Servietten über den Mund, lachen und lehnen sich vergnügt zurück. Beim Sprechen heben sie oft die Arme an oder verwerfen sie, als erklärten sie ihrem Gegenüber gerade, dass das, was er gerade gesagt habe, ganz und gar nicht stimmen könne. Aber das kann ja nicht dein Ernst sein, höre ich jemanden sagen, weil es aber sehr wohl dessen Ernst ist, wird es laut, dass sich jetzt jemand schrecklich ereifert, ist nicht auszuschliessen, aber an einem andern Tisch, um den sich zwei Frauen, in welchen ich zwei Schwestern vermutete, gut gelaunt mit fünf kleinen Kindern niedergelassen haben, steht jetzt eine der Frauen auf, begibt sich, ohne das laut und fröhlich geführte Gespräch zu unterbrechen, graziös als wäre sie Sophia Loren um den Tisch herum, um stehend, dem dort sitzenden Mädchen, dem kleinsten der Kinder, die Pizza in kleine Stücke zu zerschneiden. Gleichzeitig erhebt hinter uns wieder ein hingebungsvoller Sänger seine Stimme und natürlich schmeckt der Wein und die in ihrem Sugo rötlich glänzenden Spagetti wickeln sich um eine Gabel hier und in in einer anderen Richtung um eine andere Gabel dort und der übergewichtige Kellner mit dem verschmitzten Lächeln im Schnurrbart und dem weissen Tuch über dem Arm schaut tatsächlich allen kurz in die Augen und fragt: Tutto a posto? Und wie aus einer Kehle kommt die Antwort: Tutto bene! Später nach Eis und Kaffee, dopo il gelato alla vaniglia, hallen die Lieder auf die Gasse hinaus, vermischen sich mit dem Konzert der Absätze, war das vielleicht ein super Sänger, und wieder diese unheimlich aufragenden Häuser, Balkon über Balkon, will man sie zählen, beginnt der Nacken zu schmerzen und hier unten in dem grossen, grün getünchten, grossen Tor geht wieder eine dieser kleinen Türen auf, eine kleine Tür, die aussieht als wäre sie später hineingesägt worden, fast wie eine geheime Klappe zu einem Versteck und der Mann, der über die kniehohe Schwelle raus auf die Gasse steigt, kommt überhaupt nicht aus einer Höhle, trägt Mantel, Hut und Schaal und auch die Dame, die er jetzt grüsst, will überhaupt nicht zu den verwahrlosten, besprayten, bröckelnden Fassaden passen, schon gar nicht zum herumliegenden Müll, adrett und aufrecht und mit ihren ausgesuchten Taschen bepackt wie ein Soldat macht sie sich auf in den Strom der Stadt, schreitet aus unter der weit oben an den vielen Leinen wehenden Wäsche hindurch, kommt auch im Gedränge leichtfüssig, spielend und lächelnd, an allen Passanten, an allen Touristen auch an uns vorbei.
Und wieder geht mir der Mann mit den zwei Gasbehältern auf dem Roller durch den Kopf, aber auch der Wirt kommt mir immer wieder in den Sinn, der mit seinem Motorrad einhändig im Quartier einen Cappuccino auslieferte und sowieso jener Kellner aller Kellner, der alleine und wie nebenbei eine ganze Trattoria voll Gäste bediente, das ganze Lokal mitsamt Terrasse, jederzeit Ruhe und Übersicht wahrte, sogar noch Zeit fand, seelenruhig nebenan auf dem Trottoir mit einem Nachbarn plaudernd, eine Zigarette zu rauchen.
Immer wieder sehe ich auch eine junge Frau am Steuer, sehe, wie sie keck aus der unmöglichsten schiefen und schmalen Ausfahrt heraus auf die dicht gedrängten Passanten in der Gasse zufährt und wie diese Menge von Leuten sich wie selbstverständlich teilt, wie abgesprochen lässt man den Wagen passieren, keiner und keine reklamiert, alles cool, so cool und entspannt oder der kleine, losgeleinte Hund, der auf dem überfüllten Platz vor dem Palast durch die Massen hindurch, durch die unzähligen Beine hindurch seinen Leuten folgt und das Mädchen mit dem Rucksack, aus dem ein anderer kleiner Hund rausschaut, als hätte er genau wie ich einen Beobachtungsauftrag. Und ich sehe wieder die grossen Rundtore, durch die einst Pferdekutschenfuhren, ich sehe auch wieder einen Eimer der an einer blauen Plastikschnur herunter kommt und mit frisch gelieferten Einkäufen gefüllt wieder zwischen den Balkons hochschweben, ich sehe ihn gleich noch einmal, weil ich etwas weiter vorne nicht anders kann, als abermals zu den obersten Stockwerken der prunkvoll gebauten Häuser hinaufzustarren, die gerade von der Sonne beschienen werden und von wo aus man wieder Vesuv und Meer, Bucht und Golf, alle Inseln und alle Schiffe im Hafen sehen würde.
Diego Armando Maradona Franco[1] (* 30. 10. 1960 - † 25. November 2020) …. schloss sich 1983 der SSC Neapel an, erneut für eine Rekordablösesumme. Mit dem Underdog aus Kampanien, der vor seiner Ankunft dem Abstieg nahe war, feierte er zwischen 1984 und 1991 die größten Erfolge seiner Vereinskarriere, darunter die einzigen Meistertitel des Vereins 1987 und 1990 sowie den Gewinn des UEFA-Cups 1989.
Nie werde ich Neapels zum Trocknen aufgehängt Wäsche vergessen, innen ist aussen und aussen ist innen und sie hängt von allen Balkonen, nicht auf drei oder vier, nein auf acht oder meh Stockwerken.
Ich höre auch noch immer wieder Begräbnisglocken und auch die Frau, die in ihr Telefon schreit: Ich will Dich nie mehr sehen, und ich sehe die vielen Kinder und die jungen Pärchen, bei denen man nicht weiss, ob es nicht auch noch Kinder sind, obschon sich die Mädchen schminken und kleiden wie Frauen und vielleicht sind sie keine 12 und noch sehe ich diese besondere Art zu gehen, die Kraft in den Beinen, die auf den Gradoni, den vielen Treppen im spanischen Viertel und anderswo gestärkten Waden und ich sehe die Läden, die ihre Auslage in die Gasse hinaus wuchern lassen, so weit hinaus, dass kein Motorrad, kein Roller mehr durchrasen kann und es dann doch jeder tut und wie der schlaksige Kellner, der es genoss, sein English an uns auszuprobieren, das in Wirklichkeit wohl kaum besser war als mein inexistentes Italienisch, wie er, als er uns erklären wollte, wo er wohne, fragte er: You know where is big Maradonna Picture? Das berühmte und gelungene Mural haben wir zwar gesehen, haben ihn auch verstanden, haben aber andere, fast so riesige Bilder von Maradonna gesehen und bemerkt, dass er sich schlicht übrall rumtreibt, überall zuhause ist, überall geliebt wird, immer lachend, immer im Schuss oder im Flug wie der Gott, der er ist in Neapal.
Auf T-Shirts Hüte Maradonna überall
Und wie man sagt, dass eine, dem ein Gespenst erschienen, nicht wieder froh wird, so konnte man umgekehrt von ihm sagen, dass er nie ganz unglücklich werden konnte, weil er sich immer wieder nach Neapel dachte. Ich bin nun nach meiner Art ganz Stille und mache nur, wenn’s gar zu toll wird, grosse, grosse Augen.
Goethe: Italienische Reise II. Neapel, März 1787
Stoisch stehen ein paar Fischer da und Verliebte sitzen und umarmen sich im Finstern. Und am Vorabend der Abreise haben wir auch noch ganz nahe am Wasser am Meer abends Nastro Azzurro getrunken. Bella notte, hatte die Verkäuferin am Getränkestand gesagt und in Ufernähe schaukelten die Yachten und Fischerboote, weiter draussen warteten die Frachter mit ihren Containern auf die Abfertigung und leuchteten in die Nacht wie Weihnachtsbäume. Und schon bald darauf standen wir mit wie gewünscht mit den Bigleti en mano bei der Abschrankung vor den Geleisen in Neapel Centrale. Der uniformierte Beamte, der uns anherrschte, doch bitte die Fahrkarten in den Händen bereit zu halten, lächelte gleichzeitig äusserst freundlich einem Kind zu und wenn man anfängt anzukommen, wartet wieder der rote Pfeil, zuvor hatte es aber noch ein Missverständnis gegeben, was die Abfahrtszeit des Zuges betraf. Plötzlich schaute der von der Rezeption bestellte Taxifahrer vor dem Hotel besorgt auf die Uhr. Es war ein älterer, hagerer, scheinbar wortkarger Mann, der uns dann mit quietschenden Reifen durch das Hafenviertel fuhr, dabei nicht davor zurückschreckte, eine blau vor sich hin rumpelnde Strassenbahn im
Taxi zwei: Dann das Tram, das nicht aus den Schienen kann, aber er ist ihm spielend ausgewichen, der könnte auch einhändig Vespa fahren..
auf der Seite des Gegenverkers zu überholen. Ein Bus kam dort auf uns zu, rasend schnell, aber ich lachte, ich wusste genau, dass er ihm ausweichen können wird, auch dem Wagen dahinter und dem Motorrad sowieso, ich genoss die Sicht aus dem dahinrasenden Taxi auf die Schiffe im Hafen, die Beschleunigung des Motors mitten in der Stadt, zwischen Verkehrskolonnen und Tramhalstestellen war Musik in meinen Ohren, ich wusste auch, dass diesmal die Damen in im Fonds unser haarsträubendes Rennen nach Napoli Centrale mit einem amüsierten Lächeln, einander zuzwinkernd geniessen würden wie einen Ritt auf der Achterbahn. Wow! Hast Du das gesehen? Wie durch die Butter raste er um die Ecken, ohne mit einer Wimper zu Zucken schnitt er einem andern Taxi den Vortritt ab und als er beim Bahnhof schon am Abbremsen war und ich ihn fragte, ob er vielleicht mit Namen Fittipaldi heisse, lachte er: No, I am Marradonadriver. Piu viaggi piu accumuli punti! Und als er uns alle Koffer ausgeladen und ausgehändigt hatte, schloss er die Hecktür mit einem Knall, lachte noch einmal und sagte : Grazie E arrivederci.
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