Bern, 12. Februar 2022
Thema: Retour einfach.
Der Blick ins Buch
Es war ein herrlicher Tag. Es war Pfingsten. Wir wollten hoch hinaus. Wir gaben Gas. Lange vor dem Gotthard landeten wir im Stau. Sechs Spuren, sechs Blechkolonnen soweit das Auge reicht. Wir kehrten um. Schon vor Trubschachen steigt die Stimmung. Diese Felder und Matten. Wie für uns aufbereitet und ausgebreitet. Dieses Grün, sagte sie. Jetzt links, sagte ich. Es gibt kaum Verkehr. Bauern stehen im Heu. Eine Bäuerin mit dem Rechen am Strassenbort. Sie grüsst und lacht. Eine wiederkäuende Kuh verfolgt uns mit grossen Augen. Sogar im Auto hören wir die Vögel. Jetzt rechts, sagte ich. Die Wälder sind wie Kathedralen. Schafe und Ziegen weiden an den steiler werdenden Hängen. Grün ist jetzt sogar die Luft. Wir halten an. Zu Fuss steigen wir auf den Rämisgummen. Jetzt zeigt sich der Niesen, dann die strahlenden Gipfel der Alpen. Und hier liegt es vor uns, genau auf der richtigen Seite aufgeschlagen: Ein wunderschönes Buch. Das Entlebuch.
Thema: Nichts wie weg!
Man sieht mich oft in Tokio.
Als Bewohner der Altstadt von Bern geht man um die Welt. In Luzern wird es ähnlich sein. Sicher ist, wenn man dort lebt und einkauft und rumspaziert, wo die Torasten blühen, gerät man unweigerlich immer mal wieder in eines der Tausenden von Selfies, die aus unerklärlichen Gründen ununterbrochen geknipst werden. Gut, nur in den Hintergrund aber trotzdem: Es kann gar nicht anders sein, als dass ich immer mal wieder der Mann bin, der gerade über den Berner Rathausplatz geht oder der Velofahrer, der den lachenden Asiatinnen vor dem Zeitglockenturm hinten ins Erinnerungsbild gefahren ist. Es kann gar nicht anders sein, als dass man mich deshalb immer mal wieder sieht in Shanghai, in Chengdu, in Xiamen, in Peking, in Hangzhou, in Xi’an, in Wuhan und in Chongging. Ohne Zweifel sieht man mich auch oft in Tokio.
Thema: Helvetias Platz Luzern.
Der Urknall
Die Urknalltheorie ist die Grundidee der modernen Kosmologie. Sie beschreibt nicht, wie das Universum entstand, auch nicht, wie es sich seit der Entstehung entwickelt hat. Die Urknalltheorie wird leider von vielen ausgezeichneten Physikern in populärwissenschaftlichen Büchern immer wieder falsch dargestellt. Insbesondere handelt es sich beim Urknall überhaupt nicht um eine Explosion in Raum und Zeit, die nur einmal stattgefunden hat. Vielmehr handelt es sich beim Urknall um die jederzeit mögliche Rückbesinnung auf die menschliche Fähigkeit, absolut unbeschwert, befreit von jeglichen Absichten oder Pflichten, einfach tief durchzuatmen und in völliger Offenheit gegenüber Zufällen und Begegnungen jeder Art ein paar aufrechte Schritte in die Welt hinaus zu tun.
Zum Beispiel hier auf Helvetias Platz.
Samstag, 17. Februar 1994
Als sie in der Lesegruppe für das nächste Treffen einen Termin suchten, sagte Mario, nein am 27. kann ich nicht, das ist mein Geburtstag. Na sag mal, sagte darauf Dagmar, am 27. hat auch mein Mann Geburtstag, worauf Frieda sagte, ich bin auch Fisch.
Du bist Fisch? Meine Güte! sagte da Dagmar, nie hätte ich gedacht, dass du ein Fisch bist. Na ja, eigentlich zählt in meinem Alter der Aszendent mehr und mein Aszendent ist Steinbock, gab Frieda zurück. Ich bin auch Steinbock, rief jetzt Gisela. Steinbock ist mein Lieblingssternzeichen. Und Löwe ist auch super, rief Susi dazwischen. Du bist doch nicht etwa ein Löwe? fragte darauf Rita. Doch, natürlich bin ich ein Löwe, das heißt eine Löwin, sagte Susi. Also zu Löwen habe ich eine sehr gute Beziehung, Löwen sind ganz besondere Menschen, sagte Karl mit einem Blick auf Susi. Das ist aber komisch, sagte darauf Dagmar, mein Mann ist auch Löwe. So ein Zufall.
Mein Mann schätzt Löwen über alles. Nur die Fische sind ihm natürlich noch lieber, sagte dann Frieda und fragte auch noch gleich: Welches Buch lesen wir eigentlich als nächstes?